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Vom Recht auf billige Lebensmittel - jederzeit und überall
Food im TV: Zu teure Lebensmittel, immer mehr Hunger und zu viel Geld für Katzenfutter
Kartoffel: Abseits der Preisrallye
Kartoffel – wirksame Waffe gegen den Hunger?
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Mittwoch, 7. Mai 2008
Sauerampfersuppe: Frühlingsgruß aus dem Garten
Früher war er etwas für Hungerleider, der Sauerampfer. Meine Großmutter hat Suppe davon gekocht, in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Danach hatte sie wohl für alle Zeiten genug von der Sauerampfersuppe. Es gab nie wieder welche. Die hat sie wohl zu sehr an die schlechten Zeiten erinnert. Erzählt hat sie aber immer davon, wie sie mit dem Handwägelchen in die Weinberge im heimatlichen Rheinhessen zog, wo der Sauerampfer an den grünen Hängen zwischen den Rebgärten im Frühjahr in Massen wuchs.  Ich habe die Sauerampfersuppe erst vor ein paar Jahren wiederentdeckt. Ein kochender Freund schwärmte mir davon vor, als sei der Sauerampfer das neue kulinarische Nonplusultra - na ja, so sind sie halt, die Hobbyköche, wenn sie glauben, was ganz Neues entdeckt zu haben. Seitdem hat der Sauerampfer eine Ecke in unserem Garten, wo er hartnäckig wächst, obwohl sich keiner auch nur die Bohne um ihn kümmert. Jedes Jahr gehört er zum ersten, was im Frühjahr grüne Blätter treibt, noch vor dem Rhabarber. Liebe Oma, bei mir hättest Du  den Sauerampfer noch mal zu schätzen gelernt. Für mich ist die Saueampfersuppe inzwischen ein erster Frühlingsruß unseres Gartens an die Küche. Um sie zu lieben, ist sie zu sauer. Aber mögen kann man sie schon:
Zutaten: Eine Schüssel voll frisch geschnittener Sauerampfer (2-3 Bund?), ca. 400 ml Brühe, 1 kleine Zwiebel, Butter, 1 Becher Créme fraiche, 2 El Olivenöl, 2 El Kartoffelpüree-Flocken, Salz, Pfeffer, ein Schuss Sherry, ein kleines Bund krause Petersilie.
                   
Zubereitung:   Sauerampfer waschen, Stiele entfernen und Blätter in kleine Streifen schneiden. Zwiebel fein hacken, Olivenöl und Butter in einer Stielkasserole erhitzen und die Zwiebel darin anschwitzen. Den Ampfer dazugeben und zusammenfallen lassen. Den Inhalt der Kasserole mit der Brühe löschen und 10 Minuten köcheln lassen. Sobald die Suppe kocht, die Püreeflocken unterrühren (Puristen, die gegen jede Art von Convenience sind, könnten auch eine mehlig kochende Kartoffel in die Suppe hobeln – das verlängert aber die Kochzeit und dauert mir zu lange). Zum Ende der Kochzeit Creme fraiche dazugeben, das Ganze mit dem Pürierstab durcharbeiten und mit Gewürzen und einem Schuss Scherry abschmecken. In jeden Teller noch einen Klacks Créme fraiche zur Deko und dann frische, kleingehackte Petersilie drüberstreuen. Dazu: In Butter geröstete Brotchips aus dünn geschnittenem Baguette oder Ciabatta. Mit diesem Süppchen heißen wir den Frühling willkommen!
Montag, 5. Mai 2008
Vom Recht auf billige Lebensmittel - jederzeit und überall
Alle regen sich über die steigenden Lebensmittelpreise auf. Die logische Konsequenz: Jetzt wird  am Essen gespart. Das legen zumindest die aktuellen Umsatzzahlen des Einzelhandels nahe, nach denen im März bei Lebensmitteln im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzrückgang von 9,2% zu verzeichnen ist. Dabei wurde nicht etwa weniger gegessen und getrunken, sondern in erster Linie billiger eingekauft.
Dass Lebensmittel jederzeit und überall für kleines Geld verfügbar sind, halten die Menschen in den Industrienationen heute für eine absolute Selbstverständlichkeit. Speziell in Deutschland müssen Lebensmittel billig sein, und wenn die Preise steigen, macht das den Deutschen wütend. Da mault er und beschwert sich, als hätte man ein Grundrecht verletzt, das Grundrecht auf die ubiquitäre Verfügbarkeit von billiger Nahrung. Und das, obwohl in keinem Land Europas  der prozentuale Anteil der Ausgaben für Lebensmittel am privaten Verbrauch so niedrig liegt wie in Deutschland. Man führt sich auf, als gäbe es einen verbrieften Anspruch auf eine Vollversorgung zu Niedrigstpreisen. Die Möglichkeit von Versorgungsengpässen, Lebensmittelknappheit oder sogar Hunger scheint jenseits des Vorstellungsvermögens zu liegen. Hunger? Der ist irgendwo in Afrika oder Asien. Aber bei uns doch nicht. Und wenn der Hunger hierher käme?  Wer diese Frage stellt, erntet im günstigsten Fall mitleidige Blicke.
Glücklich ist, wer vergisst: Wir haben vergessen, was Hunger bedeutet und wie nah er ist. Eine Generation, im Wohlstand groß geworden, hat gereicht, um das zu vergessen. Der Hunger der Kriegs- und Nachkriegszeit

scheint Zeitalter zurückzuliegen. Dabei war er noch gestern. Bis Mitte der Fünfziger Jahre waren viele Lebensmittel knapp. Daran hat mich meine Mutter immer wieder erinnert mit ihren Geschichten, wie sie um Milch beim Bauern für uns Kinder betteln mußte. Haften geblieben sind mir auch die Geschichten meiner Großmutter von der Not im Krieg und in den Jahren danach. Von der Zeit, in der man dankbar war für eine Suppe aus Kartoffelschalen; einer Zeit, in der sie draußen in den Feldern Brennesseln und Sauerampfer sammelte, um daraus magere Brühen zu kochen, die dem Magen wenigstens die Illusion von etwas Verdauungsfähigem gaben. Diese Suppen hatten herzlich wenig  zu tun mit dem derzeitigen Trend zur avantgardistischen Wildkräuterküche, sie wurden weder mit feinstem Geflügelfond aufgekocht noch verfeinert mir Creme fraiche und exotischen Gwürzen. Sie waren aus der Not geboren und wer sie damals essen musste, hat sie gehasst, weil sie auch ein Symbol waren für den Mangel an all dem, was man wirklich gerne gegessen hätte.
Wer außer ein paar ambitionierten Kräutergärtnern würde heute wohl noch draußen den Sauerampfer erkennen und wissen, dass der essbar ist?  Käme morgen eine neue Not, wer hätte dann noch das Wissen um die Möglichkeiten des Überbrückens, des Überlebens? Aber nein - die Vorstellung ist doch völlig abstrus, dass der Supermarkt eines Tages keine vollen Regale mehr hat – oder? Ich wünsche uns und unseren Kindern, dass den vergangenen 50 hungerfreien Jahren mindestens 50 weitere hungerfreie folgen mögen. Glauben kann ich nicht so recht daran.
Samstag, 3. Mai 2008
Food im TV: Zu teure Lebensmittel, immer mehr Hunger und zu viel Geld für Katzenfutter
Heute abend beim Zappen durch die Kanäle: Ein Nachrichtensender berichtet, dass Verbraucher auf Grund der steigenden Lebensmittepreise immer mehr beim Lebensmitteleinkauf sparen. Auf einem anderen Kanal wird über die Forderung von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon debattiert, die reichen Länder sollten angesichts der weltweiten Lebensmittelkrise ihren finanziellen Beitrag im Kampf gegen den Hunger aufstocken. Auf Vox berichtet das Format „Süddeutsche Zeitung TV“ über Helmut Rottmüller.
Der bayrische Katzenzüchter hegt, pflegt und füttert  seine 10 norwegischen Waldkatzen, als wären sie seine Kinder. Er verwöhnt seine kleinen Lieblinge, die auf 140 qm im Obergeschoss seines Anwesens leben, nur mit den allerfeinsten Speisen. Herrchen lässt sich diesen Spaß stolze 700,--Euro pro Monat kosten. So ein Katzenviech entwickelt mit der Zeit wohl einen exquisiten Geschmack. Zu den derzeitigen Lieblingssorten der Couchtiger gehört z.B. „Thunfisch mit Calamari“. Wohl bekomms! Shakira, Amaretto und der Rest des Katzenzoos erfreuen sich offensichtlich der ganzen Zärtlichkeit ihres fürsorglichen Herrchens, der sie herzt und frisiert und knutscht und streichelt. Manches Kind in diesem Lande würde sich ein Bruchteil dieser Zuneigung von seinen Eltern wünschen. Fazit: Mehr Katzen statt Kinder???
Donnerstag, 1. Mai 2008
Kartoffel: Abseits der Preisrallye
Getreide lässt sich in riesige Schiffsbäuche füllen und rund um den Globus verfrachten. Die Kartoffel enthält viel Wasser und ist dadurch wesentlich empfindlicher: Sie würde im dunklen Schiffsrumpf schnell matschig und verrotten. Das erklärt, warum nur 6% der weltweit geernteten Kartoffeln grenzüberschreitend gehandelt werden. Sie eignet sich nicht als beliebig weltweit verschiebbares Exportprodukt.
Das macht sie gleichzeitig uninteressant für die Spekulation an den internationalen Warenterminbörsen. Während nicht nur die Verknappung, sondern auch die Spekulation die Preise für Weizen, Mais und  Reis an den internationalen Warenterminbörsen in die Höhe treibt, steht die Kartoffel am Rande der großen Preisrallye. Ihr Preis ist bis heute weitgehend von regionalen Witterungsbedingungen und Produktionskosten bestimmt und schwankt von Region zu Region erheblich.
Entsprechend fielen die Preissteigerungen für Kartoffeln in der jüngsten Zeit international weit geringer aus als beispielsweise bei Getreide und Reis. So gehört die Kartoffel also gerade in den armen Ländern immer noch zu den preiswertesten Lebensmitteln. Auch das trägt wesentlich dazu bei, dass die Kartoffel hilft, mehr Nahrungssicherheit zu gewährleisten und die Armut zu vermindern.     Â
Apropos Produktionskosten: Kartoffelanbau ist wesentlich arbeitsintensiver als die Getreideproduktion. Deshalb lohnt sich nach Ansicht der UNESCO-Experten der Kartoffelanbau überall dort besonders, wo Land knapp und Arbeitskraft im Überfluss vorhanden ist, was in den meisten Entwicklungsländern der Fall ist. Aufwändigster Schritt des Kartoffelanbaus ist die Pflanzung, die mit 30 – 50% der Produktionskosten zu Buche schlägt. In vielen Entwicklungsländern haben die Kleinbauern inzwischen eine pragmatische „ad hoc“-Methode zur Selection von Pflanzkartoffeln entwickelt: Nach der Ernte werden die größten und besten Kartoffeln verkauft, die mittelgroßen und die mit kleinen Fehlern werden selbst gegessen, die kleinsten werden für das nächste Auspflanzen aufbewahrt.
Übrigens: Interessierte finden im Toffi-Blog täglich Neues rund um die Kartoffel: Sehr informativ!
Montag, 28. April 2008
Kartoffel – wirksame Waffe gegen den Hunger?
Bereits im Januar waren hier ein paar Zeilen darüber zu lesen, dass die Generalversammlung der Vereinten Nationen die  Kartoffel zum „Food of the Future“ – Lebensmittel der Zukunft - erklärt und das Jahr 2008 zum internationalen Jahr der Kartoffel ausgerufen hat. Während die Kartoffeln auf den Tellern der Deutschen meist nur noch eine Randexistenz als Sättigungsbeilage fphrt, könnte sie in vielen Ländern der Welt künftig zu einer der wichtigsten Waffen gegen den Hunger werden: die Kartoffel. Â
Schon heute ist die Kartoffel nach Weizen und Reis die drittwichtigste Nahrungspflanze weltweit. Nach Angaben der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen FAO verschiebt sich der Schwerpunkt der Produktion immer mehr in die Entwicklungs- und Schwellenländer. Mehr als die Hälfte der 320 Millionen Tonnen Kartoffeln, die 2007 weltweit geerntet wurden, stammen bereits aus Asien, Afrika und Lateinamerika. Inzwischen ist China mit einer Erzeugung von 72 Millionen Tonnen im Jahr 2007 schon weltweit größter Kartoffelerzeuger – und der Kartoffelanbau soll dort künftig weiter massiv ausgedehnt werden. Indien plant die Verdoppelung der Kartoffelproduktion.
Für die Kartoffel als Basisnahrungsmittel für breite Bevölkerungsschichten sprechen viele Argumente: Als eine der produktivsten Nahrungspflanzen bringt die Kartoffel pro Hektar in kürzerer Zeit wesentlich höhere Erträge als z.B. Getreide. Unter entsprechenden klimatischen Bedingungen wachsen auf einem Hektar Land bereits nach 50 Tagen 20 Tonnen Kartoffeln zur Erntereife heran. Der essbare Anteil der Kartoffelpflanze liegt bei etwas 85% gegenüber nur etwa 50% bei Getreide. Durch ihren Gehalt an hochwertigem Protein und den hohen Vitamin C-Gehalt liefern Kartoffeln gerade bei Lebensmittelknappheit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Eiweiß- und Vitaminversorgung.
Mehr Informationen auf der offiziellen Website zum „International Year of the Potato“ http://www.potato2008.org/en/index.html
Sonntag, 27. April 2008
New York: Fast Food - Ketten müssen Kalorien zählen
In New York müssen McDonalds, Burger King & Co. künftig Kalorien zählen. Ein Gesetz vom Anfang dieses Jahres, das Fast Food-Restaurants mit mehr als 15 Filialen verpflichtet, künftig auch die Nährwerte ihrer Produkte anzugeben, wurde jetzt von einem Bundesgericht bestätigt, nachdem der Dachverband der New York State Restaurant Association dagegen geklagt hatte. Das Gesetz ist Teil des Feldzuges von Bürgermeister Michael Bloomberg, der bekennender Gesundheitsfanatiker ist.
Wohl bekomms meint: Mir fehlt der Glaube an die Wirksamkeit dieser Form von Information. Geht der Mensch ins Restaurant, will er essen, nicht lesen. Wer zum Fast-Food geht, hat zum Lesen gar keine Zeit. Oder – was in New York vielleicht gar nicht so selten ist – er kann kaum oder gar nicht lesen. Oder er hat kein Geld, sich besseres Essen zu leisten. Der Mensch will vor allem, dass es schmeckt. Was schmeckt, definiert er selbst – da hat ihm niemand reinzureden. Schon gar nicht irgendwelche amtliche Gesundheitsapostel.  Schwierig, zu entscheiden, was richtig ist im Konflikt zwischen dem Interesse des Staates an gesunden Bürgern(..die funktionieren und möglichst wenige Krankheitskosten verursachen) und der Freiheit des Einzelnen – auch der Freiheit, sich krank und voll zu fressen. Soll er dieses Freiheit haben? Ich meine Ernährungserziehung von Anfang an (..die es ja nicht gibt) wäre besser als Bevormundung. Was Hänschen nicht isst…….
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