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Mike Tyson: Vom Ohr-Abbeißer zum Vegetarier
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Donnerstag, 26. Januar 2012
Essen und Trimmen: Es kommt nicht zusammen, was zusammen gehört
Prävention von Übergewicht: Alle reden von Ganzheitlichkeit. Essen und Trimmen, beides muss stimmen. Die Praxis sieht anders aus. Heute flattert mir die Einladung für den Präventionskongress NRW 2012 auf den Tisch. Er wird von den Bewegern veranstaltet – Initiator ist die Sporthochschule Köln. Von ganzheitlichem Ansatz keine Spur. Zwei Tage Präventionskongress – kein einziger Programmpunkt zur Ernährung. Herzlichen Glückwunsch. Das soll dann zukunftsweisende Prävention sein. Übrigens: Bei den Kongressen der Ernährer sieht es meist nicht anders aus. Da muss der Sport dann oft genug der Ecke sitzen. Ansätze, die beides zusammenbringen wie M.O.B.I.L.I.S. finden noch immer viel zu wenig Resonanz.
Donnerstag, 5. Januar 2012
Wie süß!
“Es ist erschreckend, wie süß die Kinder trinken!” beschwert sich das Forum Trinkwasser in der Headline einer aktuellen Pressemeldung. Es mag erschreckend sein, aber es ist nun wahrlich kein Wunder. Welches Kind würde schon – vor die freie Wahl gestellt - einem Glas Wasser den Vorzug geben vor einem ‚leckeren‘ süßen Limonadengetränk. Wer Kindern gezuckerte Getränke verfügbart macht, kann davon ausgehen, dass das Zeug getrunken wird. Die alternative Entscheidung kann man von Kindern nicht verlangen. Apropos Verfügbarkeit: Das Süße – es ist uns so selbstverständlich, es ist überall, alles ist süß. Dabei ist es gar nicht selbstverständlich. Man erinnere: Bis ins 18. Jahrhundert war Zucker ein Luxuslebensmittel der Reichen. Für den Rest der Menschen war gar nichts süß – außer dem bisschen Honig und den paar reifen Früchten, die ihnen zur Verfügung standen. Um das Jahr 1800 wurden weltweit etwa 250.000 t Zucker aus Rohrzucker hergestellt. Dann erst kam die Zuckerrübe: In Schlesien wird im Jahr 1801 die erste Rübenzuckerfabrik der Welt gebaut. Im Jahr 1900 lag die Weltzuckerprodution bei 10 Millionen t. Während sich die Weltbevölkerung seitdem bis heute etwa vervierfacht hat, stieg die Zuckerproduktion um das 15-fache – auf ca. 150 Millionen Tonnen pro Jahr. Ist das nicht süß? Wer den Zuckerkonsum von Kindern reduzieren will, muss die Verfügbarkeit einschränken. Ein bisschen Grenze muss ein. Anders geht es nicht.
Dienstag, 3. Januar 2012
Homo supermercatus
Heute im Supermarkt: „Bundesweiter Ausfall des EC-Systems. Bitte halten Sie Bargeld bereit“- steht auf Zetteln, die Orkan Ulli rücksichtslos über das Marktgelände verteilt. Gedanken in der Warteschlange an der Kasse:
Der Nachfolger des Homo sapiens ist nicht der Homo oeconomicus. Es ist der Homo supermercatus, Seine konstituierende Eigenschaft: Er bezieht 90 und mehr Prozent seiner Nahrung aus dem Supermarkt. An Zeiten, in denen man seine Nahrung aus anderen Quellen hätte beschaffen können oder müssen, hat er keine Erinnerung. Statt Keulen führt diese Spezies bunte Plastiktüten mit sich, die mit merkwürdigen, keinen Sinn ergebenden Buchstabenkombinationen bedruckt sind wie ALDI, LIDL, REWE oder EDEKA. Weiteres äußeres Erkennungszeichen des Homo supermercatus ist eine z.T. erhebliche Fettleibigkeit. Mindestens die Hälfte der Individuen dieser Spezies leidet an Übergewicht. Vor mir in der Schlange: Eine gut 2 Zentner schwere bucklige Variante mit dickem Bauch und voll beladenem Wagen. Das ist also geblieben von den aufrechten Bauern, Jägern und Sammlern der Gattung Homo sapiens. Der Homo supermercatus schiebt monströse fahrbare Drahtkörbe durch enge Regalfluchten und lädt sie randvoll mit Tüten, Schachteln, Flaschen, Tuben und anderen Verpackungen, in denen sich Reste dessen befinden, was einmal Lebensmittel waren. Im Gegensatz zum Homo oeconomicus überlegt der Homo supermercatus nicht, wonach er greift. Von Lust geleitet, grapscht er scheinbar wahllos nach den Waren. Trotz oder gerade wegen der komfortablen Lebensbedingungen ist der Homo supermercatus allerdings vom Aussterben bedroht. Stell Dir vor, er kommt zum Supermarkt, und keiner macht auf – das wäre sein schneller Untergang! Oh – ich bin schon dran.“Haben Sie’s bar? Unser EC-System ist ausgefallen!“
Montag, 2. Januar 2012
Mike Tyson: Vom Ohr-Abbeißer zum Vegetarier
Von der Wandlungsfähigkeit des Menschen: Wie man vom durchgedrehten Schläger zum Vorbild seiner Kinder werden kann.
Boxen ist nicht mein Sport. Boxer entlocken mir selten Sympathien. Gestern gab es in der WELT AM SONNTAG ein Interview mit Mike Tyson. Es war das Foto, das mich in die Geschichte hineingezogen hat: Wie ein Gott einer versunkenen Kultur hält Tyson, kahlgeschoren und mit Ethno-Tatoos im markanten dunkelhäutigen Gesicht, fast zärtlich eine weiße Taube in der Hand – und sieht nicht so aus, als wolle er das Täubchen im nächsten Moment mit Haut und Federn verschlingen. Das käme ihm heute eh nicht mehr in den Sinn. Der einst so angriffslustige Ohr-Abbeißer hat eine Wandlung vom Saulus zum Paulus hingelegt und ist dabei Vegetarier geworden. Warum er auf Tierisches verzichtet, und was das mit der Erziehung seiner Kinder zu tun hat, verdient Respekt:
Welt Online: Sie haben mächtig abgenommen und sehen so aus, als hätten Sie wieder Ihr Wettkampfgewicht aus Ihren Glanzzeiten. Damals wogen Sie etwa 100 Kilo. Tyson: Ich habe über 40 Kilo verloren, nachdem ich vor drei Jahren meine Ernährung radikal umgestellt habe. Ich bin strenger Veganer, ich esse nicht einmal Fisch oder Honig. Welt Online: Wie kamen Sie denn darauf? Tyson: Ich wollte nicht mehr fett sein. In meiner Familie war Fettleibigkeit anscheinend erblich bedingt, denn alle neigten dazu. Ich wollte die Tradition durchbrechen, um auch Vorbild für meine Kinder zu sein. Ich kann denen doch schlecht sagen: Hey, ihr seid zu dick, ihr lebt ungesund, ihr müsst auf eure Figur achten, dafür müsst ihre dies und jenes tun, wenn ich selbst 300 Pfund oder mehr wiege.
Sonntag, 1. Januar 2012
Der gute Vorsatz
Gegessen und getrunken wird immer. Das gilt auch für 2012. Mit Essen, Trinken und dem nötigen Drumherum – Einkaufen, Kochen, Aufräumen etc. – verbringen wir ca. 15 bis 20% unserer täglichen Wachzeit. Ganz schön viel. Der Durchschnittsmensch verbraucht nur für die Arbeit und das Fernsehen mehr Lebenszeit. Das hindert die meisten jedoch nicht daran, den größten Teil der Nahrung achtlos in sich hineinzustopfen. Achtloses Hineinstopfen ist sinnloses Verschwenden von Lebenszeit. Mehr Achtsamkeit und Sinnlichkeit beim Essen, Trinken und Genießen! Wenn das kein wirklich guter Vorsatz ist.
Samstag, 31. Dezember 2011
Heiteres Neues Jahr!
Das wäre schön, wenn die Ernüchterung vor dem Rausch käme. Dann könnte man sie – im Fall des Alkoholrauschs – einfach wegsaufen. Geht aber nicht. Alles hat seinen Preis. Freunde der „bewusstseinserweiternden“ Wirkung des Rausches zitieren gerne Nietzsche: „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern zu gebären“. Den Komasäufern der heutigen Nacht werden die Sterne allenfalls durch den besoffenen Kopp rotieren. Ich jedenfalls gebe der Heiterkeit den Vorzug. Zu der kommt man, wenn man aus dem Zug zum Rausch auf halber Strecke aussteigt. Der Weg zurück ist kürzer, die Fallhöhe bleibt überschaubar. Ich ziehe den kleinen Neujahrs-Blues dem Absturz aus rauschender Höhe vor. In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern und Freunden guten Rutsch und ein heiteres Neuhjahrsfest.
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