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Montag, 22. Februar 2010
Mille sughi: Mit Pasta durch jede Krise
Ria Lottermoser, Mille Sughi – 1000 x Pasta, Edition Fackelträger, Köln 2009, 736 Seiten,ISBN 978-3-7716-4382-9, Preis: 25,00 €
Das wundert den erstaunten Zeitgenossen: Italien widersteht der Krise erstaunlich gut. Wer hätte gedacht, dass Italiener so streng sparen können? Nach einem Bericht in der taz sind Italiens Privathaushalte die solidesten in Europa: Die gesamte private Verschuldung liegt bei 34% des BIP (Deutschland: 63%, Spanien: 83%).
Tja, wenn gespart werden muss, kocht die italienische Mama Pasta - wenn’s sein muss wochenlang, und das für kleinstes Geld und trotzdem ohne Verzicht auf den Genuss. Wie das geht? Das lehrt uns zum Beispiel der wunderbare fetten Wälzer „Mille sughi – 1000xPasta“ auf über 700 Seiten. Ich liebe diesen schweren Schinken – ohne Photos, ohne Schnickschnack mit seinem modern-geradlinigem Layout. Die Rezepte? Eines leckerer als das andere – und einfach zu kochen obendrein.
Zu verdanken haben wir diese Fleißarbeit Ria Lottermosser-Fetzer. Der Name hört sich nicht sehr italienisch an, doch der Leser spürt: Die Frau muss Pasta und Italia lieben. "Mille Sughi" steht in der Reihe meiner Allzeit-Favoriten und käme auch in mein erste Hilfe-Set für wirtschaftliche Notzeiten: Mindestens die Hälfte der verlockenden Gerichte lässt sich auch mit Hartz IV noch finanzieren. Spaghettini alla zucca (Spaghettini mit Kürbis) – Penne con i fagioli (Penne mit weißen Bohnen) – Pasta con lenticchie (Nudeln mit Linsen): drei aus tausend, köstlich vegetarisch – und billiger geht’s wirklich nicht! Fazit: Gut angelegte 25 Euro.
Sonntag, 14. Februar 2010
Rund um die Dicken – alles fette Lügen?
Noch'n Buch - zum Ausklang des Lesewochenendes:
Friedrich Schorb, Dick, doof und arm? Die große Lüge vom Übergewicht und wer von ihr profitiert,
Droemer Verlag, München 2009, 240 Seiten, ISBN 978-3-426-27499-6, Preis:
Die Grenzwerte für Übergewicht und Fettsucht sind willkürlich festgelegt – und stempeln vollkommen gesunde Menschen als Kranke ab – das ist eine der Hauptthesen des Soziologen Friedrich Schorb, der in seinem Buch „Dick, doof und arm?“ mit „fetten Lügen“ rund um das Thema Übergewicht aufräumen will.
Das Buch ist ausgesprochen lesenswert – nicht, weil alles richtig ist, was Schorb behauptet. Wenn Schorb „den Lügen des Schlankheitswahns auf den Grund geht und sie als Volksverdummung und Geschäftemacherei demaskiert“, so der Klappentext des Buches, dann ist auch das nur ein neues Extrem, das zunächst einmal versucht, den Gesetzen des Mediengeschäftes gerecht zu werden. Trotzdem lohnt es sich, Schorbs Angriffe auf Pharmaindustrie, Krankenkassen und Politik zu lesen – denn sie enthalten einige Wahrheiten, über die auch in Expertenkreisen selten gesprochen wird. Die Darstellung der Kollateralschäden der Übergewichtsdebatte – Essstörungen, Gewichtsdiskrimierung und falsche Schönheitsideale – ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Schorbs abschließendes Plädoyer gegen eine Dramatisierung des Themas Übergewicht und für einen entspannteren Umgang mit dem Dicksein weist grundsätzlich in die richtige Richtung.
Samstag, 13. Februar 2010
Gesundheit – nein danke?
Christoph Klotter, Warum wir es schaffen, nicht gesund zu bleiben. Eine Streitschrift zur Gesundheitsförderung,
Ernst Reinhardt Verlag, München 2009, 163 Seiten, ISBN: 978-3-497-02061-4, Preis: 16,90 Euro
Wir lesen weiter: Ein Buch für alle, die sich beruflich mit Prävention beschäftigen – und natürlich für interessierte Laien: Mit seiner „Streitschrift zur Gesundheitsförderung“ hat Christoph Klotter ein provozierendes Buch vorgelegt, dass an den Grundfesten der Gesundheitsförderung und damit auch der Ernährungsberatung rüttelt. Â
„Was passiert, wenn Gesundheit zur Pflicht wird?“ fragt Klotter. Seine Antwort: “Die Verpflichtung zur Gesundheit führt quasi automatisch zu gesundheitsabträglichem Verhalten“, und produziert damit systematisch das Gegenteil von dem, was sie beabsichtigt. So ist der verbreitete Zug zum Missionarischen in Gesundheitsförderung und Beratung nach Ansicht des Ernährungspsychologen, der an der Hochschule Fulda unterrichtet, ein Grund für ihr verbreitetes Scheitern. Der Autor legt den Finger in viele Wunden, über die in der Beratungspraxis nur zu gerne hinweggegangen wird. Wenn Klotter bessere methodische Ausbildung, mehr Supervision, Intervision und Evaluation fordert, so kann man dem nur zustimmen. Sein Fazit: Es gibt auch ein Recht auf ungesundes Verhalten - Prävention und Beratung müssen aufhören, Gesundheitsregeln zu diktieren und deren Umsetzung als Ersatzreligion zu predigen.
Dabei schießt Klotter manchmal etwas übers Ziel hinaus, wie Joseph Kuhn in seiner Rezension im Ärzteblatt bemerkt: „Klotter kritisiert missionarische Tendenzen an der Gesundheitsförderung, er tut dies in missionarischem Tonfall. Er bemängelt die Kampfmetaphern etwa in den Adipositas-Kampagnen und schreibt dann Sätze wie diesen: ‚Der neue Gesundheitsförderungsfundamentalismus schürt Hass und Verachtung’ oder ‚Dergestalt ist Gesundheitsförderung ein Triumph des terroristischen Über-Ichs, das im Grunde nur eines will: nämlich vernichten’. Das trifft weder die Funktion des Über-Ichs in der Psychoanalyse noch die der Gesundheitsförderung.“
Viele Kritikpunkte Klotters an der gegenwärtigen Präventionspraxis mag man trotzdem unterschreiben – etwa wenn er u. a. fordert: - Gesundheitsförderung darf niemandem Gesundheit als Heilsbringer vorschreiben. - Sie sollte nicht alleine um Nützlichkeit bemüht sein und darf nicht nur darauf zielen, die Produktivität zu steigern. - Gesundheitsförderung muss echte Partizipation ermöglichen. Ihre Maßnahmen müssen sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientieren und nicht an dem, was Experten dafür halten. - Gesundheitsförderung sollte im Sinne von Rogers als echte Hilfe zur Selbsthilfe verstanden werden, die dann auch eine Chance auf Erfolg hat.
Leider bleibt der Autor mit diesen hehren Forderungen weitgehend im Bereich des Abstrakten. Der Praktiker hört die Botschaft wohl, doch liefert ihm das Buch kaum Anhaltspunkte für die Umsetzung der schönen Theorie in seiner Praxis. Christoph Klotter sollte das zum Anlass nehmen, schon bald den Folgeband zu verfassen – mit etwas mehr Bodenhaftung und Praxisorientierung für all die Ernähungs- und Gesundheitsberater, die sich in ihrem Berufsalltag auf eingefahrenen Gleisen mäßig erfolgreich bewegen.  Zumindest einige von Ihnen suchen händeringend nach neuen Wegen, die mehr Erfolg versprechen. Sie wären dankbar für das neue Buch.
Freitag, 12. Februar 2010
Welternährung: Am Abgrund
Eingeschneit und einsam - was nun, was tun an diesem Wochenende? Genießen wir die Schneelebigkeit des Bilderbuchwinters. Nach einem ausgedehnten Sparziergang durch die verschneite Landschaft sind wr wieder daheim, schön warm eingemummelt vor der Kamintapete, mit einer Tasse heißen Tees und ein paar guten Büchern! Fangen wir mit einem wichtigen Sachbuch an.
Wilfried Bommert, Kein Brot für die Welt. Die Zukunft der Welternährung,
Riemann Verlag, München 2009,352 Seiten,Â
ISBN 978-3-570-50108-5, Preis 19,95 Euro
„Wir stehen am Abgrund einer Welternährungskrise“ mahnt der Journalist und Agrarwissenschaftler Wilfried Bommert. In „Kein Brot für die Welt“ - einem der wichtigsten Bücher des vergangenen – Jahres, konfrontiert er den Leser mit der vielleicht radikalsten Herausforderung der nächsten Zukunft, bei deren Bewältigung der Menschheit die Zeit davonläuft.
Im Frühjahr 2008 protestierten weltweit Menschen gegen explodierende Lebensmittelpreise und Hunger. Es gab Tote und unzählige Verletzte. Die Wirtschafts- und Finanzkrise, so urteilt Bommert, hat die Lage nur vorübergehend entspannt: Die Zahl der Hungernden wächst rasant; die Weltpolitik ist auf die herannahende Katastrophe nicht vorbereitet. Der Autor schildert eindringlich und verständlich die Zusammenhänge zwischen Klimawandel, Wasserknappheit, Bodenerosion, Energiehunger und anderen Faktoren der weltweiten Lebensmittelproduktion. Er kommt zu deprimierenden Schlussfolgerungen, die wenig Hoffnung lassen. Man merkt dem gut recherchierten und spannend zu lesenden Buch allerdings Bommerts berufliche "Heimat" an. Auf ernährungswissenschaftliche Aspekte, die die Krise wenn nicht vermeiden, so doch hinauszögern könnten, geht der studierte Landwirt kaum ein. So beklagt er den zunehmenden Fleischhunger der Welt als einen der wichtigsten Faktoren für die Beschleunigung der Krise, erwähnt dabei aber nicht einmal die Möglichkeit eines zumindest teilweisen Fleischverzichtes in den Wohlstandsnationen als Lösungsansatz.
Sonntag, 7. Februar 2010
Julia Klöckner: Staatssekretärin fordert Recht auf falsche Ernährung
Â
„Jeder hat das Recht, sich absolut falsch zu ernähren“Â
Julia Klöckner, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesernährungsministerium, beim Neujahrsempfang des BLL (Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde), zitiert in der  Lebensmittel Zeitung vom 5. Februar.
Ob sich Frau Klöckner wirklich genau überlegt hat, was sie mit diesem Satz sagt? Im Lichte einer solchen Aussage betrachtet sind z.B. die Ziele eines Nationalen Aktionsplans Ernährung und Bewegung - vor kaum zwei Jahren verabschiedet von ihrem Ministerium - nur noch Makulatur. Frau Klöckner wirft mit diesem Satz aber nicht nur politische Ziele ihres eigenen Hauses über den Haufen. Auch die Gesundheitspolitik dürfte über diese Forderung nicht glücklich sein: Wer das Recht hat, sich absolut falsch zu ernähren, den sollte man logischerweise nicht mit Prävention belästigen. Denkt man die Idee konsequent weiter, dann müsste das Rauchverbot bald wieder fallen. Wem man das Recht auf die absolut falsche Lebensweise einräumt, dem kann man schließlich auch Alkoholmissbrauch bis hin zum Komasaufen kaum verwehren.
Da kann man sogar bezweifeln, ob sich all die über den Satz gefreut haben, denen er wohl besonders gefallen sollte: Unter der Unternehmerelite der Ernährungsindustrie, die auf dem Empfang des BLL versammelt war, dürften nicht wenige von denen gewesen sein, die sich verstärkt darum bemühen, eine richtige Ernährung der Verbraucher mit ihren Produkten nach Kräften zu unterstützen. Für sie war dieser Satz ein Schlag ins Kontor. Bleibt zu hoffen, dass ihn keiner der dort Anwesenden als Aufforderung zur Herstellung von Produkten verstanden hat, die eine "absolut falsche" Ernährung unterstützen.
Sonntag, 31. Januar 2010
Das Bild zum Sonntag
Der Winter bleibt
 Burg Nideggen, gesehen am 31. 01. kurz vor Sonnenuntergang aus dem Rurtal bei Abenden
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