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Dienstag, 10. Oktober 2006
Werden wir die CMA sehr vermissen?
Seit 1970 wirbt die CMA nun unermüdlich für das Beste von unseren Bauern. Doch was haben die vielen PR- und Werbemillionen der CMA bewirkt? Zur Verbesserung unserer persönlichen Ernährung haben sie wenig beigetragen. Trinkt irgend ein Mensch mehr Milch, nur weil prominente Pappnasen in ganzseitigen Anzeigen behaupten „Milch ist meine Stärke“ ? Isst irgend jemand auch nur ein Steak mehr, weil uns coole Modells in grünen Schürzen mit doofen Sprüchen mehr Lust auf Fleisch eintrichtern wollten? Das darf bezweifelt werden. Zudem ist Fleisch z.B. ein Produkt, dessen Konsum aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ganz bestimmt nicht zusätzlich gefördert werden muss. Jährlich knapp 60 Kilo Fleisch und Wurst pro Nase reichen! Auch für weitere fett- und cholesterinhaltige Lebensmitte wie Butter, Eier und Käse braucht es wahrlich keine weitere Werbung – schade um das schöne Geld, das die CMA dafür schon über viele Jahre rausgeschmissen hat.
Aber - könnte nun einer sagen – die haben ja auch viel Gutes getan! Man denke nur an die Rapsölkampagnen oder an die Obst-und-Gemüse Kampagne „Fünf am Tag“. Nun ja, tatsächlich hätte ein geschmacks- und ausdrucksloses Produkt wie das Rapsöl, das lange Zeit als minderwertig galt, ohne die CMA-Millionen nie zu seinem aktuellen Höhenflug angesetzt. Im übrigen ist die Einseitigkeit, mit der die CMA das Rapsöl fördert, ist beispiellos: Olivenöle und andere hochwertige Öle ohne Ursprung in Deutschen Landen existieren für die CMA nicht (..wobei die CMA ernährungsphysiologisch kritische Aspekte des Rapsöls hartnäckig verschweigt!)
Was gut für unsere Ernährung ist, wird eben nur dann unterstützt, wenn es gerade ins Konzept passt. Wehe, es kommen Produkte dabei vor, die der CMA nicht in den Kram passen! So wurde die bundesweite „Fünf am Tag“ Kampagne für Obst und Gemüse zwar aktiv von der CMA unterstützt – doch nicht etwa, weil ihr die Gesundheit der Verbraucher am Herzen gelegen hätte. Es ging der CMA schlicht um die Interessen ihrer Bauern: Jede zusätzlich verkaufte Tonne an heimischen Produkten erhöht das Einkommen der Landwirte und verbessert die Situation der Vermarktungsorganisationen.
 Dabei duldete die CMA keine Kompromisse: Wo sie dabei war, mussten Südfrüchte draußen bleiben. So fand z.B. die Nutzung des „fünf am Tag“ Logos im Rahmen des CMA-Gemeinschaftsmarketing  ihre engen Grenzen: Wo kämen wir hin, wenn Bananen oder Apfelsinen sowie andere exotische Früchte und Gemüse, die von der deutschen Landwirtschaft aus klimatischen oder ökonomischen Gründen nicht produziert werden können, mit Finanzmitteln der deutschen Bauern gefördert würden?*
Wohl bekomms meint: Trotz aller Kritik ist der CMA ein totaler Platzverweis durch das BVG nicht zu wünschen. Sicher wird sich die CMA Gedanken über eine neue Ausrichtung und neue Inhalte machen müsste. Darin liegt sicher eine Chance. Auch wenn man nicht so recht dran glaubt, darf man Phantasien haben: Als eng mit dem Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz verbundene Organisation könnte die CMA wesentlich aktiver werden in den Bereichen Verbraucherschutz, Ernährungsaufklärung und Qualitätssicherung. Millionen Übergewichtiger, darunter viele Jugendliche und Kinder, sind eine Aufgabe, zu deren Lösung es noch viel Einsatz braucht. Ein Einsatz im Sinne von mehr Qualität würde letztlich auch den Landwirten als eigentlicher Zielgruppe nutzen. Verhinderung von Skandalen und damit Umsatzeinbrüchen durch mehr und bessere Qualitätssicherung würde unter Strich mehr bringen als teure Lifestyle-Werbung mit fraglichem Erfolg.
*Zu dieser Position bekennt sich die CMA übrigens völlig offen, wie z.B. die Stellungnahme des CMA-Referatsleiters pflanzliche Produkte, Dr. Falk Welzel, in einem im Web veröffentlichten Redemanuskript zur Teilnahme der CMA an der 5 am Tag Kampagne zeigt.
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