Knallgelbe Rapsfelder, duftende Fliederbüsche und üppig blühende Kirschbäume können nicht darüber hinweg täuschen: Die Erde lechzt nach Regen! Die Böden sind trocken und steinhart wie im sommerlichen Andalusien, die Pflanzen haben Durst.Â
Den heutigen Vormittag haben wir mit einer langen, verstörenden Wanderung durch die Felder der Voreifel verbracht: Es steht nicht gut um die Natur – und falls nicht bald Regen kommt, drohen katastrophale Schäden. Der Raps konnte die Restfeuchtigkeit der Böden noch gut nutzen und kommt hier zumindest fast schadlos durch die Blüte. Die gelbe Blütenpracht täuscht jedoch unkundige Ausflügler leicht darüber hinweg, dass fast alle anderen Nutzpflanzen dramatisch leiden.
Die Zuckerrübenfelder sehen verheerend aus. Wo sonst um diese Zeit junges dunkles Grün der ersten Blätter spriest, zeigt sich nur ein lichter, lückenhafter, zartgelber Flor auf den nackten Böden. Die Pflänzchen stehen kurz vor dem Verdorren. Das Sommergetreide ist kaum gekeimt und kümmert vor sich hin. Die Wintergerste wächst nicht weiter aus und schiebt auf viel zu kurzem Halm viel zu früh viel zu kleine Ähren, denen bei anhaltender Trockenheit in absehbarer Zeit die Notreife droht. Viele Wiesen sind schon gemäht, obwohl die Grasmenge noch gering ist. Die Bauern mähen nach dem Motto: Retten, was zu retten ist. Lieber jetzt wenig gutes Heu einfahren als später nur noch verdorrte Gräser schneiden. Was auf den rasierten Wiesen stehen bleibt, sieht braun aus wie sonst im August. Man hofft auf Regen für den zweiten Schnitt. Für weiteres Wachstum wartet alles auf Regen, Regen, Regen. Der Wetterbericht meldet sechs weitere Tage lang trostlos Sonne, Sonne, Sonne. Dass es etwas kühler werden soll, hilft dabei wenig.
Wer sich jetzt noch über jeden Sonnentag freut, sollte sich nicht wundern, wenn uns der Hitzefrühling in einigen Monaten teuer zu stehen kommt. Wenn erst einmal Brot-, Bier- und Kartoffelpreise drastisch in die Höhe gehen, werden wir für das mediterrane Frühjahrs-Feeling bezahlen. Sollte der Regen tatsächlich noch mehr als zwei Wochen ausbleiben, werden viele Bauern sogar mit ihrer Existenz bezahlen. Das Klima könnte uns bald Demut lehren (.. und hoffen wir, dass es uns nicht in die Verzweiflung treibt.)
Vielleicht bringt uns die Erkenntnis der Machtlosigkeit gegenüber einer Natur, die wir durch unsere Maßlosigkeit aus den Fugen gebracht haben, bald zurück zu fast vergessenen Ritualen. Betet um Regen und hofft darauf, dass Gott Erbarmen mit den Klimasündern hat – auch wenn die Aussicht auf Erhörung gering ist. Beten ist jedenfalls besser als Lamentieren, was schließlich nur von schlechter Laune zeugt. Und noch ist Deutschland nicht vertrocknet. Noch könnte man anfangen, das eine oder andere tun.Â
Während die Erde draußen aufreist vor Trockenheit, sehe ich an unserer Tankstelle gestern eine selten lange Warteschlange vor der Waschanlage. Der Pollenstaub muss runter, das duldet offensichtlich keinen Aufschub. Die alte Anlage (keine Wiederaufbereitung) dürfte 140 bis 170 Liter Wasser pro Auto verbrauchen. Auch in unserer Nachbarschaft werden die Karossen überall mit laufendem Schlauch vom Pollen befreit. Wen stört es - außer die Eitelkeit des Besitzers, wenn die Kiste eine Woche länger staubig bleibt? Das wäre nur einer von vielen Ansatzpunkten für den sparsameren Umgang mit unseren Ressourcen.