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Donnerstag, 13. September 2007
Vom Bäcker zum Berater
Vergangene Woche berichtete wohl bekomms über den Zentralverband des Bäckerhandwerks, der Fachverkäuferinnen ein "Studium" der Ernährungsberatung anbietet. In einem 12-tägigen Kurs produziert dieses „Studium“ frischgebackene „Ernährungsberater“ – worüber sich der Verband der Oecotrophologen (VDOE) in einem Brief massiv beschwert hat. Das Thema provozierte nicht nur eine Reihe von heftigen Kommentaren hier im Blog, sondern gärt auch in den Verbänden weiter. Inzwischen hat das Bäckerhandwerk reagiert. Bernd Kütscher, Direktor der Akademie des Bäckerhandwerks in Weinheim, hat den Brief mit seiner Stellungnahme an die Oekotrophologen mit der Bitte um Veröffentlichung auch an wohl-bekomms weitergeleitet. Hier der Brief:
 Verband der Oecotrophologen e.V.
vielen Dank für Ihre Stellungnahme.Ihre Bedenken kann ich im Hinblick auf die eigenen Fortbildungen Ihres Hauses verstehen, doch weitgehend entkräften:

1. Sie beklagen u.a., dass wir in der Auslobung von „selbst ernannten Ernährungsexperten“ sprechen, die das Thema Ernährung in den Medien dominieren. Dies richtet sich selbstverständlich nicht gegen Mitglieder Ihres Verbandes, die ja über eine qualifizierte Ausbildung verfügen. Vielmehr sind es die unqualifizierten Äußerungen Dritter, welche die Bevölkerung massiv verunsichern. So werden u.a. regelmäßig Wunderdiäten propagiert und dabei oft der sachlich nicht haltbare Eindruck erweckt, Brot und Backwaren wären „Dickmacher“. Genau dies beklagen wir in der Auslobung und bieten interessierten Mitarbeiter/innen des Bäckerhandwerks die Möglichkeit, sich zum Thema Ernährung  ergänzend zu qualifizieren.
2. Im Einzelhandel regiert der Einkaufswagen und niemand ist dort in der Lage, die Verunsicherung der Verbraucher zu mildern: „Was kann ich bedenkenlos essen?“. Weil an der Bäckertheke noch ein persönliches Gespräch stattfindet, haben wir den Bedarf erkannt und bedient. Dabei propagieren unsere Teilnehmer/innen keinesfalls einseitig eigene Produkte, sondern die Ernährungsempfehlungen der DGE, die Kernbestandteil der Fortbildung sind. Dies wird seitens der Kunden sehr geschätzt.
3. Wir wissen, dass viele Kinder ohne Frühstück zur Schule kommen. In der Pause werden nicht Pausenbrote und Obst, sondern Schokoriegel konsumiert. Hier sehen wir einen großen Handlungsbedarf, der in der Vergangenheit offenbar nur unzureichend bedient wurde. Gewiss stimmen Sie mir zu, dass jede Maßnahme, die diese Umstände verbessern hilft, zu begrüßen ist. Unsere Fortbildung stellt eine solche Maßnahme dar. Denn wir empfehlen unseren Teilnehmer/innen, das Thema „Gesundes Frühstück“ und „Gesundes Pausenbrot“ auch in den Kindergärten und Schulen anzubringen, zu denen sie privat oder als Betrieb bereits Kontakte unterhalten. Entsprechende Fakten und ein Kommunikationstraining sind Bestandteil der Ausbildung.
4. Sie bemängeln die im Vergleich zu Ihrer eigenen Fortbildung geringe Ausbildungsdauer. Hierbei bitte ich zu bedenken, dass beide Fortbildungen verschiedene Zielgruppen und Zielsetzungen bedienen. Zudem beschränkt sich unsere Qualifizierung keinesfalls auf die 12 Präsenztage. Vielmehr müssen sich die Teilnehmer/innen zwischen den einzelnen Modulen intensiv Wissen erarbeiten, anhand von unseren Unterlagen und ergänzender Literatur. Das zuhause erarbeitete Wissen wird dann beim jeweils nächsten Präsenzmodul gleich zu Beginn schriftlich abgeprüft. Insofern ist die Fortbildung zum Ernährungsberater im Bäckerhandwerk eher als Fernstudium zu sehen.
5. Fester Bestandteil unserer Fortbildung ist die Abgrenzung zum medizinischen Sektor. So haben unsere Teilnehmer/innen zwar Grundkenntnisse zu ernährungsbedingten Krankheiten sowie zu Allergien und Unverträglichkeiten im Nahrungsmittelbereich. Kunden, die gesundheitliche Störungen äußern, werden aber sofort zum Arzt verwiesen. Auch fertigen die Teilnehmer/innen keine individuellen Ernährungspläne oder gar Diätpläne aus. Hierzu gibt es Diätassistenten und Ernährungsmediziner, auf die verwiesen wird.
6. Unsere Fortbildung richtet sich an die Mitarbeiter/innen des Bäckerhandwerks. Insofern sehe ich keine Konkurrenz zu Ihren eigenen Fortbildungen, die sich an Hochschulabsolventen richtet. Wir streben auch keinen offiziellen Status, keine Anerkennung von Krankenkassen etc. an.
7. Gemäß unserer Philosophie achten wir auch bei der Fortbildung zum „Ernährungsberater im Bäckerhandwerk“ auf höchste Qualität. Insgesamt sind drei schriftliche Prüfungen zu bewältigen. Hinzu kommt eine mündliche Prüfung, bei der das erlernte Wissen von einer Diplom Oecotrophologin und einer promovierten Diplom Biologin abgefragt wird. Um die Beratungsqualität der Teilnehmer/innen sicher zu stellen, darf der Gesamtdurchschnitt zur Erlangung des Zertifikats die Note 3,4 nicht unterschreiten! Ferner erwarten wir von den Ernährungsberatern im Bäckerhandwerk regelmäßige Auffrischungen und Ergänzungsfortbildungen, die zum Erhalt des Zertifikats nachgewiesen werden müssen.
Auf Ihre Anregung hin werde ich unsere Auslobung überarbeiten lassen, damit die Zielsetzung noch unmissverständlicher zum Ausdruck kommt. Wir würden uns freuen, wenn Ihr Verband unsere Fortbildung als das anerkennt, was sie ist: Die Fortbildung Ernährungsberater im Bäckerhandwerk stellt eine ebenso seriöse wie sinnvolle Ergänzungsqualifikation für Mitarbeiter/innen des Bäckerhandwerks dar, damit diese auf verunsicherte Kunden reagieren und als Multiplikatoren im Unternehmen sowie in dessen regionalem Umfeld gesunde Ernährung propagieren können.
Herzliche Grüße aus Weinheim. Bernd Kütscher, Direktor
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