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Mittwoch, 4. Februar 2009
CMA-Urteil: Warum Häme nicht angebracht ist
Die CMA hat zwar – um im Agrar-Jargon zu bleiben – in den letzten Jahren jede Menge Mist gebaut - siehe z.B. hier und hier. Trotzdem ist jede Häme über das Karlsruher Urteil unangebracht, aus zwei wichtigen Gründen:
- Der Export ist ein wichtiges Standbein für die deutsche Landwirtschaft. Die CMA hat die deutschen Agrargüter über viele Jahre im Ausland unterstützt und beworben. Fällt diese Werbung weg, könnten Deutschlands Landwirte den Wegfall der CMA-Aktivitäten noch teuer bezahlen. Wobei festzustellen wäre: Im Gegensatz zu den Kampagnen auf dem Deutschen Markt, die oft einfach nur rattenschlecht waren, hatten viele Auslandsaktivitäten durchaus Hand und Fuss.
- Durch die Diskussion um Finanzierung und Qualität dämmerte inzwischen wohl auch dem letzten CMA-Bürokraten, dass sich in der Ausrichtung der Arbeit etwas ändern muss. Anstatt platter Werbung sollte künftig wohl mehr Aufklärung und Information über gesunde Ernährung im Fokus stehen – die Lebensmittel aus deutschen Landen als Basis dafür hätten da nicht gestört. Bei knapp 50% Übergewichtigen im Land hätte ein Teil der Millionen sicher gute Verwendung finden können. Die Chance wäre mit dem Verschwinden der CMA vertan.CMA-Urteil des BVG: Der schwarze Tag für die Landwirtschaft war auch kein guter für die Ernährung
Es ist schwer zu verstehen: Nach dem gestrigen Karlsruher Urteil gab es bei den CMA-Vertretern und Verbänden lange Gesichter und es wurde viel gejammert über diesen schwarzen Tag der Landwirtschaft. Gestern abend wurde auf der Website der CMA eine Stellungnahme eingestellt, in der Geschäftsführer Markus Kraus mit der Feststellung zitiert wird, Jetzt seien Politik und Wirtschaft gefordert, neue Konzepte und Finanzierungsmodelle für die Absatzförderung zu entwickeln.
Da fragt man sich: Was haben die Jungs (und Mädels) in der CMA eigentlich in den letzten Monaten gemacht? Den Plan B gibt es offensichtlich nicht, obwohl der doch für den eingetretenen Fall der Fälle ganz oben in der Schublade liegen müsste. Davon abgesehen kann es nur wundern, wie man mit bornierter Selbstgefälligkeit die Möglichkeit des Gau ausgeblendet hat. Heißt es doch noch in einer CMA Pressemeldung zum Jahreswechsel:
Warten auf das Urteil aus Karlsruhe
In den nächsten Wochen wird das Urteil des Bundesverfassungsgerichts erwartet, für den Ausgang des Verfahrens kommen nach Einschätzung der CMA drei Varianten in Frage. Die Varianten lauten ‚verfassungskonform‘, ‚verfassungswidrig und nichtig‘ und schließlich ‚verfassungswidrig, aber nicht nichtig‘. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es auf die dritte Alternative hinauslaufen. Das heißt ganz deutlich: Das Absatzfondsgesetz wird weiterhin Bestand haben und der Gesetzgeber muss innerhalb einer Frist nachbessern.
Na herzlichen Glückwunsch, das hat ja bestens hingehauen! Â
Das Urteil des BVG gibt es hier
Montag, 26. Januar 2009
Werbung vs. Realität
Was ich im letzten Blogeintrag "Fertigprodukte: Werbung und Wirklichkeit" (siehe unten) beschrieben habe, nun im appetitanregenden Beispiel: Samuel Mueller hat mir eralubt, ein paar seiner vorher-nachher-Shots auf wohl-bekomms zu zeigen
Hier also Rinderroulade mit Kartoffelpüree und Apfelrotkohl
- hmmm, sieht das lecker aus!Â

...und das ernüchternde Ergebnis. Sieht das noch "anständig" aus? Da wünscht man sich nur eins: Sein Geld zurück!Â

Sonntag, 1. Juli 2007
Maulkorb für die Lebensmittelwerbung?
Seit heute gilt die neue Health Claims Verordnung:
„Calcium schützt vor Osteoporose“, „Rotwein verhindert Herzinfarkt“ , „Vitamin C schützt vor Erkältung“ – dass die Verbraucher vor solchen Werbesprüchen ab heute verschont bleiben, dafür sollte das Inkrafttreten der neuen Health-Claims-Verordnung sorgen. Denn  krankheitsbezogene Angaben auf Lebensmitteln sind gemäß dieser Verordnung - unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt bzw. einer wissenschaftlich bestätigten Aussage – ab sofort grundsätzlich verboten.Â
Die künftige Umsetzung der neuen Verordnung wird sicher dafür sorgen, den Konsumenten vor zweifelhaften oder irreführenden gesundheitlichen Versprechen zu verschonen. Eine Veränderung des Ernährungsverhaltens bzw. des Lebensstils wird sie bestimmt nicht bewirken. Wer Schokolade gerne tafelweise isst, wird sich auch nicht durch das Verbot von werblichen Hinweisen auf die gesundheitlichen Wirkungen des Kakaos davon abhalten lassen. Deshalb ist nach Meinung der Deutschen Gesellschaft der Ernährung (DGE) eine flächendeckende Ernährungsaufklärung und -bildung in jedem Fall weiterhin erforderlich.
Auf Ihrer Website informiert die DGE übrigens über weitere interessante Details der neuen Verordnung:
„Zufrieden stellend ist, dass mit den Health Claims nun Klarheit herrscht, was die nährwertbezogenen Angaben, beispielsweise energiereduziert, fettfrei oder light auf Lebensmitteln betrifft:
-         Produkte mit dem Hinweis energiereduziert müssen mindestens 30 % weniger Energie enthalten als vergleichbare Lebensmittel.
-         Der Angabe light bzw. leicht kommt dieselbe Bedeutung zu wie reduziert, d. h. mindestens 30 % weniger Energie- oder Nährstoffgehalt.
-         Die Angabe fettfrei/ohne Fett ist nur zulässig, wenn das Produkt nicht mehr als 0,5 % Fett pro 100 g oder 100 ml enthält. Angaben wie X % fettfrei sind verboten.
Solche und andere nährwertbezogene Angaben wie „hoher Gehalt an Calcium“, „reich an Vitamin C“ sind europaweit als verbindliche Definitionen für 24 unterschiedliche Nährwertangaben direkt im Anhang der Verordnung aufgeführt.
Aussagen zur Gesundheitsförderung oder Krankheitsprävention sind künftig möglich und erlaubt, wenn sie wissenschaftlich nachgewiesen und in so genannten Positivlisten aufgeführt sind bzw. zugelassen wurden. Damit Hersteller so werben dürfen, müssen ihre Produkte bestimmten Nährwertprofilen entsprechen. Ein Lebensmittel darf einen bestimmten Gehalt an eher ungünstigen Nährstoffen, z. B. Fett, Zucker oder Salz nicht überschreiten. Diese Profile werden derzeit von der EU-Kommission entwickelt.
Bei den gesundheitsbezogenen Angaben unterscheidet die Verordnung drei Kategorien:
1.      Angaben zur Verringerung des Krankheitsrisikos, z. B. Aussagen zur Reduzierung von Krankheitsrisiken wie „ausreichend Calcium kann zur Verringerung des Osteoporoserisikos beitragen“ werden nicht mehr als krankheitsbezogene sondern gesundheitsbezogene Angabe im Sinne der Verordnung aufgefasst.
2.      Angaben, die sich auf die Rolle eines Nährstoffes beziehen, z. B. generelle Aussagen über die Wirkung eines Lebensmittels auf die menschliche Gesundheit wie „Calcium ist wichtig für gesunde Knochen“ sind zulässig.
3.      Innovative Angaben, die auf neu entwickelten wissenschaftlichen Daten beruhen.
Dagegen sind krankheitsbezogene Angaben unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt bzw. einer wissenschaftlich bestätigten Aussage, grundsätzlich verboten, z. B. „Calcium schützt vor Osteoporose“ oder „zur Behandlung von Osteoporose“.
http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=731
Donnerstag, 22. März 2007
Tim Mälzer wirbt für Bio-Katzen
Katjes setzt auf Bio-Gummis und den bekannten Fernsehkoch
Der Kampf um die Bio-Kundschaft greift auf die Süßigkeitenbranche über. Nachdem Katjes -Fassin bereits seine Null-Fett-Produkte erfolgreich am Markt platziert hat, sollen die Fruchtgummis des Familienunternehmens ab sofort ausschließlich mit natürlichen statt mit naturidentischen Aromen in den Handel kommen. Der kleine Unterschied soll groß herausgebracht werden – von Tim Mälzer. Die neue Werbekampagne mit dem bekannten TV-Koch und Buchautor läuft unter dem Slogan "Weil's natürlich besser schmeckt". Mälzer zeigt sich in der Küche als Experte für natürlichen Geschmack und lobt die neue Ess-Klasse der Katjes-Fruchtgummis aus. Er löst damit in Deutschland das Model Heidi Klum als Testimonial ab.  Katjes hofft auf einen ähnlichen Umsatzsprung wie 2003, als die "Null-Fett"-Kommunikation 20 Prozent mehr in die Kassen spülte. In einem Interview mit dem Werber-Blatt „Horizont“ verteidigt Mälzer sein Engagment, dass ihm von Katjes sicher sehr versüsst wird. Hier ein Auszug aus dem Gespräch, in dem sich Mälzer als Mann mit Prinzipien gibt:
Ein Koch wirbt für Süßigkeiten. Wie passt das zusammen?
T.M.: Katjes ist kein Ernährungsersatz, sondern ein Bonbon. Süßigkeiten gehören zum Leben dazu. Außerdem finde ich es ganz geil, sagen zu können: Ich bin die neue Heidi Klum – und das mit meinem Gesicht!
Ihr Gesicht war bisher kaum in der Werbung zu sehen. Warum?
T.M. Anfragen hatte ich zuhauf – sie haben sich aber überwiegend in der Fertigkost bewegt. Ich kann nicht auf der einen Seite versuchen, die eute an den Herd zu bringen und auf der anderen Seite die Jeanne d’Arc der Convenience spielen.
Heidi Klum wirbt auch für Mc Donald’s. Wie stehen Sie zu Fast Food?
T.M.: Auch das hat seine Berechtigung – bloß würde ich keine Werbung für Fastfood machen. Heidi Klum sagt auf der einen Seite, die Mädels sind zu fett, um auf dem Steg zu laufen, und tut auf der anderen Seite so, als ob Mc Donald’s für Gesundheit steht, nur weil die Salat anbieten. Das ist Augenwischerei.
Wohl bekomms meint: Natürliche Aromen hin oder her: Wer für Süßigkeiten Werbung macht, sollte nach Fastfood nicht mit Steinen werfen.
Donnerstag, 15. März 2007
Koma-Saufen: Kontrollverlust bei allen Beteiligten?
Jugendliche und Alkohol: Von Verboten und Verantwortung
Wie verloren, bescheuert, erziehungslos und dumm muss ein Jugendlicher sein, der sich mutwillig um den Verstand säuft? In Berlin liegt ein 16-jähriger nach angeblich 50 Gläsern Tequila im Koma. In Teenager-Cliquen ist der Slogan „Lass ma Koma-Saufen“ längst nichts mehr Neues – wenn auch glücklicherweise meist nicht so ganz wörtlich gemeint. Dass dem Begriff nun die praktische Umsetzung folgt, kann keinen wirklich wundern. Der Berliner Fall ist für die Medien ein gefundenes Fressen und wird entsprechend hoch aufgehängt. Jetzt folgen die üblichen Reflexe aus dem Lager der Politiker. Sie fordern: Die Regelungen des Jugendschutzgesetzes reichen nicht. Ein Verbot für alle unter 18 muss her!
 Natürlich muss gehandelt werden. Dringend. Denn wir dürfen nicht zuschauen, wie sich ein Teil der nachwachsenden Generation schon in jungen Jahren regelmäßig dem Suff ergibt. Ca. 4,5 Millionen Alkoholiker in diesem unserem Lande reichen. Jeder Jugendliche, der dieser Sucht neu verfällt, ist das Produkt eines Versagens - von Eltern, Schule und Gesellschaft. Alle rufen jetzt nach der starken Hand der Politik. Die fühlt sich angesprochen und reagiert prompt mit der klassischen Drohgebärde: Ein Verbot muss her!
Ob das helfen wird? Wer soll ein solches Verbot kontrollieren – in einem Land, in dem man Alkohol überall und jederzeit an der nächsten Tankstelle kaufen kann? Ein Blick nach Schweden zeigt, dass sich durch Verbote zwar der Gesamtkonsum vermindern lässt. Doch gerade die Exzesse werden dadurch keinesfalls vermieden. Im Gegenteil: Sie fallen um so heftiger aus. Jugendliche, die zur Flasche greifen, sind bereits Opfer vor dem ersten Schluck. Spätestens seit es die Fernseh - Nannys gibt, wissen wir: Zu oft haben Eltern schon über ihre13- oder 14-jährigen Sprösslinge völlig die Kontrolle verloren. Wo weder gegenseitiges Verständnis herrscht noch irgendwelche Regeln gelten, wachsen verwöhnte, egoistische Monster heran, die schon im zarten Alter nur noch sich selbst als Maß aller Dinge gelten lassen. Man lese beispielsweise die Kommentare zum Beitrag „EU will Alkoholverbot für Jugendliche“ im Blog „The Drink Tank“ meines Weinfreundes Mario Scheuermann, geschrieben bereits im Februar 2005.
Ein Beispiel: fuck auf alle scheiß politiekr. ich bin 16 und ich will saufen und das kann auch trotz euer abgefuckten gesetze. ihr seid doch selbst alles alkis....
Bei diesem und ähnlichen Kommentaren offensichtlich Jugendlicher packt mich das kalte Grausen. Mario hat hiermit mehr als recht: „In solchen hilflosen Stammeleien zeigt sich sehr deutlich, welch ein agressives Potenzial sich da angestaut hat und nach Ventilen sucht. So sehr ich den kultivierten Genuss von alkoholischen Getränken - und damit meine ich nicht nur Wein – zu schätzen weiss, es ist höchste Eisenbahn, dass dem massenhaften Alkoholmissbrauch Jugendlicher ein Riegel vorgeschoben wird.“ Nur: Wie kann der Riegel vorgeschoben werden?"Koma-Saufen: Kontrollverlust bei allen Beteiligten?" vollständig lesen
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